DZ vom 17.04.2005
SPD-Bildungskonzept vorgestellt
In einer gut besuchten Veranstaltung des SPD-Ortsvereins stellte die Stadträtin und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Augsburg Ulrike Bahr das bildungspolitische Konzept der SPD-Landtagsfraktion "Keiner soll verloren gehen" vor.
Zu der Veranstaltung sprach auch UB-Vorsitzende Ursula Straka, die sich erfreut zeigte, dass Bildung endlich ein Thema werde. Frau Bahr nannte zunächst 12 Gründe für eine neue Bildungskultur: So verließen ca. 9 % der Schüler die Schule ohne Abschluss und nicht einmal 20 % erreichten in Bayern das Abitur. Die rund 60000 Sitzenbleiber kosteten rund 250 Millionen Euro. Leistungs- und Auslesedruck verhindern eine individuelle Förderung der Schüler, die dringend notwendig wäre. Die Klassen mit über 30 Schülern haben weiter zugenommen, vor allem in der Realschule. Nach wie vor würde die soziale Herkunft, vor allem in Bayern, die Schulkarriere prägen. Immer stärker würden Eltern und Kommunen zur Finanzierung der Bildung herangezogen, während die bayerischen Bildungsausgaben seit 20 Jahren stagnierten und niedriger als deutsche und internationale Werte seien.
Nun wurden die Forderungen der bayerischen SPD aufgeführt: Optimale Förderung für jedes Kind - und das möglichst früh, intensiv und individuell. Jedem Schüler sollen unabhängig von Herkunft und sozialer Schicht gleiche Chancen gewährt werden, was auch durch frühe pädagogische Förderung erreicht werden könnte. Geplant sei die Ganztagsschule mit einer gemeinsamen Schulzeit bis zur 6. Klasse. Erst dann folgt die Sekundarschule oder das Gymnasium, der die berufliche Erstausbildung oder die Oberstufe des Gymnasiums folgt. Die Schulen sollten im Pädagogischen und Organisatorischen selbständiger werden und ein neues "Lehrerleitbild" soll entwickelt werden. Um das alles verwirklichen zu können, müssten natürlich die Bildungsinvestitionen deutlich erhöht werden.
An diese Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an, in der die Zuhörer zum Teil die beklagten Missstände bestätigten. So führte eine Mutter aus, ihre Tochter müsse in der Ausbildung zur Handarbeitslehrerin statt praktischer Arbeit hauptsächlich Theorie vermitteln. Die Schüler "wüssten" dann zwar alles über Wolle usw. könnten jedoch nicht stricken.